Die
Goblin’s Gold
Wirklich nur was für ganz
Hartgesottene…
Die Musiker
Im
Sommer ’87 löst sich die Band auf. Der Grund: Vater Staat ruft nach
Jörg Mühlberger, Sven und Alf Schumacher, die nach dem Abitur ihren
Wehrdienst ableisten. Für Sven und Alf bleibt keine Zeit mehr fürs
Musikmachen.

Halifax vor dem "Focus" (Jörg
Mühlberger, Alf Schumacher, Frank Mühlberger, Sven Schumacher, Barnie
Hirschmann)
Frank und Jörg Mühlberger gründen
daraufhin im Frühjahr ’88 eine neue Band. Inspiriert von den
Büchern Tolkins – „Der Herr der Ringe“ und vor allem
„Der kleine Hobbit“ – entscheiden sie sich für den
Bandnamen Goblin’s Gold. Musikalisch sind es nun eher die Rockbands der
späten 80er, die ihre Spuren hinterlassen, erwähnt sei hier vor allem
„Magnum“. Melodic-Rock wird auf die Fahnen geschrieben, man will
weg vom etwas angestaubten Gitarre-Hammond-Gitarre-Hammond-Wechselspiel. Mit an
Bord kommen Markus Abele als Drummer und Mario Zoppelletto an den Keyboards.
Nachdem ein komplettes Set an Eigenkompositionen aufgestellt ist, folgen
Auftritte in und um Schorndorf, unter anderem in der alten Manufaktur, hier
zusammen mit der Band „Illusion Fades“.

Erstes Goblin's Gold Bandfoto: Jörg
Mühlberger, Markus Abele, Frank Mühlberger, Mario Zoppelletto
Bald zeigt sich jedoch, dass die musikalischen
Ansprüche zu verschieden sind, man will sich weiterentwickeln, für
Markus Abele wird der Zeitaufwand zu groß. Als Ersatz kommt im Sommer
’89 Oli Rubow, der die Musik vor allem mit Funk- und Fusion-Elementen
ergänzt. Die Musik wird vielschichtiger, von Blues über Soul bis hin
zu klavierbetonten Balladen reicht das Spektrum, mit dem Goblin’s Gold
vor allem auf größeren Veranstaltungen wie dem „Lauter
Open-Air“ in Donzdorf überzeugen können. Es folgen Demoaufnahmen,
aber auch viele größere und kleinere Auftritte.
Im Sommer ’91 will man den Sound der Band durch eine Sängerin
noch erweitern, so übernimmt Nicole Apel das Lead-Mikrofon von Frank
Mühlberger.

"Railwayline": Cover des ersten
Demotapes mit Oli Rubow (ganz links)

Goblin's Gold im Herbst 91 und...
…live im Sommer 92.
Dies sollte allerdings ein kurzes Gastspiel bleiben,
denn als im Winter ’91 Oli Rubow die Band verlässt, erinnert man
sich an einen alten Weggefährten: Mit Sven Schumacher am Schlagzeug will
man „back to the roots“, die Musik wird wieder erdiger, rockiger.
Vor allem Mario Zoppelletto an den Keyboards muß nun immer häufiger
zum Hammondsound wechseln. Die Stimme von Nicole passt nun nicht mehr zur
Musik. Frank Mühlberger darf wieder selbst singen.
Es folgt eine Zeit mit vielen Aktivitäten: Im Frühjahr 1992
steht die Aufnahme eines neuen Demotapes an. Man mietet für 2 Wochen das
Keller-(Heim-)Studio eines Studienkollegen und nimmt eine Kassette auf, die dem
Sound der Band gerecht wird. Dieses Band öffnet die Türen zu vielen
Auftritten, sowohl im Rems-Murr-Kreis als auch außerhalb der Region.
Neben Auftritten in der (alten) Manufaktur, dem Sonnenkeller in Waiblingen, KKF
in Schwäbisch Gmünd und in der Schulturnhalle in Winterbach im
Vorprogramm von Mitch Ryder (um nur einige zu nennen) sollten vor allem zwei
größere Gigs Erwähnung finden: Das Nachwuchsfestival
„Rockaction II“ in der Böblinger Sporthalle (9/94) und der
Wettbewerb „Der beste Song“ in der neuen Manufaktur (3/94). Beide
Auftritte schaffen die Möglichkeit sich einem größeren Publikum
zu präsentieren, sie zeigen aber auch, dass man musikalisch sowohl beim
Publikum als auch bei Musikkritikern Gefallen findet.

Erstes und bislang einziges Fotoshooting in
einem professionellen Studio: Die Band mit Sven Schumacher (ganz links). Foto:
Birgit Raab.

"Zuhause" in der neuen Manufaktur
beim Wettbewerb "Der beste Song". Traumhafte Bühne
in der Böblinger Sporthalle: Der Wettbewerb "Rockaction II".
Im Herbst schließlich wagt die Band ein Experiment und spielt auf
dem Flohmarkt in Plüderhausen vor dem Café Caré. Dieser
Auftritt soll nur der Anfang einer Serie sein, die in den folgenden zwei Jahren
fortgesetzt wird. Für die Band werden diese Auftritte zu einem
Riesenspaß, man spielt als Werbeträger für die eigene Sache den
ganzen Tag vor wechselndem Publikum und zieht so auch den einen oder anderen
Folgegig an Land.

Flohmarkt Plüderhausen vor dem
Caré: 1994...
...1995...
...und 1996.
Leider gelingt es der Band nicht, aus den Achtungserfolgen Kapital zu
schlagen, es fehlt ein straffes Management, das Auftritte organisiert oder
Kontakte zur Presse knüpft. So kann man sagen, dass das Jahr 1994 zwar
eine Menge Auftritte, vor allem auch vor größerem Publikum,
letztendlich aber nicht den großen überregionalen Durchbruch bringt.
Zur Bestandsaufnahme und zur Definition neuer Ziele zieht sich die Band im
November 1994 an den Lago Maggiore zurück, um dort ein neues Konzept
für die weitere Vorgehensweise zu erarbeiten. Dabei wird schnell klar,
dass die Musik weiterhin ein Hobby bleiben soll. Man einigt sich auf folgende
Eckpunkte, über die das gemeinsame Musikmachen definiert wird: Die Band
soll als Möglichkeit zur Verwirklichung eigener musikalischer Ideen
dienen, Kompromisse in der Songauswahl, um damit ein größeres
Publikum zu befriedigen, werden nicht gewünscht, die Treue zum eigenen
Geschmack wird zum höchsten Wert erhoben. Auftritte sollen einerseits
diesen Gedanken nach außen transportieren, andererseits Spaß machen
und als Motivation für den wöchentlichen Probenalltag dienen.
Finanziell werden keine hohen Erwartungen gestellt, die Gagen dienen zur
Deckung der Unkosten, der Rest fließt in eine Bandkasse und wird zur
Finanzierung neuer Projekte genutzt.

Cover der CD "Have a
little nightmare (Design: Markus Abele)
Schnell wird klar, dass eines dieser Projekte eine CD werden muss,
schließlich ist das letzte Demotape schon zweieinhalb Jahre alt und
repräsentiert bei weitem nicht mehr den musikalischen Stand. Warum also
nicht gleich eine CD, überlegt man und beginnt mit der Planung. So
entsteht im Frühjahr 1995 in der „Klangschmiede“ in Crailsheim
die erste Goblin’s Gold CD. Um Kosten zu sparen entscheidet man sich
für eine Maxi-CD mit nur fünf Titeln und begrenzt die Studiozeit auf
eine Woche. Trotz vieler Kompromisse wird die CD ein Erfolg, wie Kritiken in
der Tagespresse oder schlicht die Verkaufszahlen beweisen. Schließlich
bietet der Silberling die Möglichkeit, sich standesgemäß zu
repräsentieren und sich für Auftritte zu bewerben. Präsentiert
wird die CD dann in Plüderhausen. In Zusammenarbeit mit dem Café
Caré und der Volksbank Schorndorf feiert die Band mit vielen geladenen
Gästen ein rauschendes Fest auf dem Parkplatz des Carés. Es folgen
eine Reihe von Auftritten, bei denen die Band ihre Bühnenerfahrung weiter
ausbauen kann. Gleichzeitig kristallisiert sich langsam aber sicher das
typische Publikum heraus: 30- bis 40jährige sind es nun, bei denen
Goblin’s Gold vor allem mit ihren ausgefeilten und über die Jahre
gereiften Eigenkompositionen punkten können. Selbstverständlich
fehlen auch typische Renner wie „Radar Love“ oder „Black
Night“ nicht im Repertoire und bringen bei vielen Veranstaltungen die
Menge zum Kochen.

"Über den Dächern von
Plüderhausen": CD-Präsentation im Sommer 95.
Der allmähliche Wechsel von einer „Studentenband“ zu
einer Band aus Berufstätigen stellt die Band erneut auf eine große
Probe. Die wöchentliche Probe wird mehr und mehr zu einer
Pflichtveranstaltung, die inzwischen knapp gewordene Freizeit scheint manch
einem zu wertvoll, um sie in einem dunklen, feuchten Keller mit Musik und Bier
zu verbringen. Darunter leidet die Kreativität. Die Motivation, der
Verbreitung handgemachter Musik zu frönen, sinkt gegen Null. Dazu kommt
ein offensichtlicher Wechsel im Publikumsgeschmack: Gab es früher
großes Interesse an Liveveranstaltungen jeglicher Art, so scheint nun der
Trend hin zu Konservenmusik und Großevents zu gehen. Die Folge: Typische
Livekneipen wie das „Insider“ in Winterbach schließen, die
verbleibenden Lokalitäten werden von Bands geradezu überschwemmt.
Als erster zieht Mario Zoppelletto die Konsequenzen: Er verlässt
die Band schweren Herzens zum Jahreswechsel 1996 /97 , bietet beim Neujahrsrock
in der Auerbachhalle in Urbach jedoch einen fulminanten Ausstand. Als
langjähriges Mitglied bleibt er bis heute ein enger Freund der Band.
Die restlichen Musiker finden in Uwe Frey aus Heubach einen mehr als
gleichwertigen Ersatz. Seine musikalischen Sporen verdiente er bei
„Hannibal & Friends“, der bekannten Ostalb-Band, danach
fristete er sein Musikerdasein als zweiter Keyboarder bei der Ellwanger
Formation „Funky goes to Helgoland“. Als Goblin’s Gold ihre
Fühler ausstrecken, ist er
–musikalisch gerade solo – nicht abgeneigt und zieht bald
darauf mit seinen Keyboards in den Proberaum in der alten Hutfabrik in
Schorndorf ein.

Jazzclub "Armer Konrad",
Frühjahr 98
"Rock in den Mai" in der Urbacher Auerbachhalle. Ganz links:
Uwe Frey.
Im Wesentlichen wird mit Uwe das alte Material beibehalten, einer
Frischzellenkur (vor allem soundtechnisch) unterzogen und mit einigen
interessanten Interpretationen bekannter Rock- und Popklassiker gewürzt.
Am 30. April 1997 zeigt sich die Band musikalisch frisch renoviert einem
begeisterten Publikum beim „Rock in den Mai“ in der Auerbachhalle.
Es folgen weitere Veranstaltungen, vor alle im privaten Umfeld der Band. Nach
einem Konzert im Jazzclub „Armer Konrad“ in Beutelsbach nimmt sich
die Band schließlich eine Auszeit und konzentrierte sich auf das
nächste große Projekt: Die erste im eigenen Studio selbstproduzierte
CD solle in Angriff genommen werden.
Für das zweite große CD-Projekt wird viel Zeit und Geld investiert:
Man schafft zwei 8-Spur Harddiskrecorder an, die im Zusammenspiel mit dem schon
vorhandenen Equipment (semi-)professionelle Ergebnisse ermöglichen sollen.
Ein Jahr wird veranschlagt, schließlich gilt es, im Umgang mit der neuen
Technik noch Erfahrungen zu sammeln. Auf Liveauftritte will man in diesem
Zeitraum ganz verzichten – so verschwinden Goblin’s Gold für
lange Zeit in der Versenkung.
Im Herbst 1998 ist man mit den Vorbereitungen soweit, dass mit den
Aufnahmen begonnen werden kann. Unterschiedliche Meinungen, wie die einzelnen
Instrumente klingen sollen, polarisieren die Band in Uwe auf der einen und den
Rest der Band auf der anderen Seite und verbrauchen viel Zeit und Energie in
der Kompromissfindung. Die Backings bestehend aus Schlagzeug, Bass und Gitarre
sind dann relativ zügig eingespielt, allein technisches (und menschliches)
Versagen werfen die Band immer wieder zurück. Das Projekt gerät ins
Stocken. Schließlich scheint ein weiterer Schicksalsschlag das Ende der Band
zu besiegeln: Zum Frühjahr 1999 wird der Proberaum, das jahrelange
Refugium der Band, 1997 noch frisch renoviert, gekündigt.
Nachdem der erste Schock überwunden ist, beginnen sich Alternativen
abzuzeichnen: Im Nachbargebäude gibt es eine leerstehende Halle, die
parzellenweise an Bands vermietet werden soll. Einziger Nachteil: Die
Räumen selbst müssen in Eigenarbeit und auf eigene Kosten errichtet
werden.

Der gemeinsame Bau des neuen Proberaums
fördert ungeahnte Fähigkeiten zutage...
So
wird die Arbeit an der CD vorläufig auf Eis gelegt und nach mehrmonatiger
Schufterei stellt die Band überrascht fest: „Sollten wir als
Heimwerker erfolgreicher denn als Musiker sein?“
Als der neue Raum schließlich fertig ist, soll
die Arbeit an der CD zügig fortgesetzt werden. Leider bestätigt sich,
was schon zuvor von manchem befürchtet wurde: Uwe Frey wird die zeitliche
Belastung zu groß, auch musikalisch kann er sich nicht mehr mit der Band
identifizieren. Was folgt, ist eine lange Leidensgeschichte aus abgesagten
Proben, schlechten Einspielungen und technischen Unzulänglichkeiten, die
aus einer laufend modifizierten Keyboardanlage resultieren.
Als Uwe im Oktober 2000 seine „Kündigung“ einreicht,
ist der Rest der Band sichtlich erleichtert. Zu nervenaufreibend war der
Schwebezustand der letzten Monate. Die CD wird entgültig begraben. Zwei
Jahre Arbeit sind endgültig für die Katz.
Die folgende Suche nach einem neuen Keyboarder
erweist sich schwieriger als anfangs geglaubt. Namen werden genannt und wieder
verworfen, Telefongespräche geführt, Proben vereinbart und wieder abgesagt.
Es scheint schwierig, jemanden zu finden, der sowohl menschlich als auch
musikalisch die Lücke im Bandgefüge zu schließen vermag. Im
Frühjahr 2001 steht der Entschluss fest: Weitermachen als Trio, testweise.
Die Alternative wagt niemand auszusprechen: Auflösung der Band.
Nachdem erste Gehversuche erfolgsversprechend
erscheinen, sind die Ziele für das weitere Vorgehen schnell abgesteckt:
Erarbeiten neuen Materials (vor allem Coversongs), Aufnahme einer Demo-CD und
schließlich endlich wieder Livegigs. Mit eiserner Disziplin und neuer
Motivation wird mehrmals wöchentlich gearbeitet, im Herbst 2001
schließlich liegt sie auf dem Tisch: Die erste selbstproduzierte CD, und
die Erwartungen sind weit übertroffen. In einer kleinen, privaten
Präsentation im Proberaum wird die Scheibe vorgestellt, nach dreieinhalb
Jahren spielen Goblin’s Gold wieder live vor Publikum. Der
Motivationsschub ist enorm. Um der Sache schließlich die Krone
aufzusetzen, greift Alf Schumacher, Keyboarder aus Halifaxzeiten bei einigen Songs
in die Tasten, und jedem wird klar: Ganz ohne Keyboarder geht’s wohl doch
nicht!

Foto-Kunst von der neuen CD (Artwork:
Jörg Mühlberger)
Dann geht es Schlag auf Schlag. Drei Auftritte in
Schorndorf sind schnell organisiert. Und schließlich geschieht das
Unglaubliche: Achim Haag meldet sich auf eine Anzeige hin als neuer Keyboarder,
und schon nach der ersten Probe ist klar: Hier ist das fehlende
Puzzlestück, Goblin’s Gold sind wieder komplett und machen das, was
sie eigentlich schon immer am besten konnten: Rockmusik im Stil der 70er
– vor allem von Deep Purple – und Eigenkompositionen, die all das
wiederspiegeln, was die Band im Laufe ihrer 14jährigen Geschichte erlebt
hat. Der Kreis schließt sich. Keep on rockin’.

Das aktuelle Bandfoto aus 2002: Ganz rechts:
Achim Haag. (Collage: Jörg Mühlberger)